Nein, es ist nicht das erste Mal, dass ich Verkostungsnotizen über die Weine von Donnafugata, dem 1983 von der Familie Rallo gegründeten Weingut publiziere.
1996, als ich mich intensiv mit dem sizilianischen Schriftsteller Guiseppe Tomasi di Lampedusa und seinem historischen Roman „Il Gattopardo“, bei dem es um den langsamen Zerfall der sizilianischen Adelsgesellschaft ab den Zeiten Garibaldis (um 1860) ging, erfuhr ich dass eine der ältesten Winzerdynastien der Insel, seit mehr als 150 Jahren in Marsala ansässig, ganz neue Wege eingeschlagen hatte, und dass fast alle Weine dieses Guts vom Namen her an (wirkliche) Orte oder (fiktive) Personen aus genau diesem Buch der Weltliteratur herrührten. Sogar der Name des neuen Weinguts war derselbe, wie jener des Landsitzes des Prinzen Fabrizio Salina, der Kultfigur des Romans: Donnafugata.

Kabir ist ein überaus delikater Moscato
Neben dieser elitär anmutenden Verkaufsstrategie erwiesen sich die Weine dieses Familienbetriebs als gut, teilweise sogar herausragend. Eine rezente Einladung zum Verkosten klassischer Donnafugata-Weine war daher Grund genug, sechs ganz verschiedene Tropfen in der Vinothek Vinissimo (in Livange, Luxemburg) auf Herz und Nieren zu prüfen.
Als erstes kredenzte Sommelier Alexander Proudhon einen trockenen Weisswein. La Fuga 2007, ein Chardonnay DOC Contessa Entellina wird Mitte August durch nächtliche Weinlese schonend geerntet, dann teilweise in Inox-Tanks und im Holz-Barrique ausgebaut. Der hellgelbe Tropfen erinnert in der Nase an exotische Früchte, das intensive Bukett bietet vielschichtige Nuancen von Birnen und gelbem Steinobst. Am Gaumen gefällt der frische und dennoch gut strukturierte Chardonnay durch seinen mineralischen Unterton.
Tancredi, ein nach dem Neffen des Prinzen Salina benannter Rotwein aus Nero d’Avola und Cabernet Sauvignon heisst der zweite Wein. Dieser 2005er besticht durch seine sehr dunkle Robe, ein Aromenspektrum von schwarzen Waldfrüchten, sowie Töne von Minze, Schokolade und Lakritz. Am Gaumen gefällt die warme, süssliche Fülle dieses Weins, der durch den Cabernet Sauvignon einen beachtlichen Nachhall aufweist. Dieser Rote ist ideal zu gegrilltem Lamm, einer herzhaften Kaninchen-Terrine oder frischen, nur in der Pfanne geschmorten, duftenden Waldpilzen.
Sherazade ist ein recht junger Wein aus dem Hause Donnafugata, und der Jahrgang 2006 ist der erste, den man vermarktet hat. Mit 13,5° Alkohol etwas leichter als Tancredi, besteht er aus einer Cuvée von Nero d’Avola und Syrah. Allein dies macht ihn etwas femininer. Von rubinroter Farbe gefällt er in der Nase durch sein Johannisbeer-Sauerkirschen-Bukett. Diese Noten zeichnen auch den momentan noch etwas kantigen Geschmack von Sherazade aus. Der meines Erachtens etwas zu junger Wein passt gut zu herzhafter Pasta, wird jedoch in einem Jahr ein runderes Gesamtbild abgeben.
Als echten Grandseigneur kann man Mille e una Notte bezeichnen. Das auf dem Etikett abgebildete Palais gibt es wirklich. Es ist der historische Teil des Donnafugata-Kellers in Santa Margherita Belice. Der 2005er ist von glänzender, rubinroter Farbe, sein Duftspiel besteht aus einem Bukett von Veilchen, blondem Tabak, etwas Anis und Leder. Am Gaumen überwiegt der balsamische, rustikale Charakter, dann folgen Aromen von Kakao und Bitterschokolade, sowie ein erstaunlich fruchtiger Nachhall. Mille e una Notte hat ein Alterungspotenzial von mindestens 15 Jahren und ist sonder Zweifel der Kultwein der Tenuta Donnafugata.

1001 Notte, ein sehr nobler Nero d'Avola
Moscato di Pantelleria ist ein aromatischer Muskatwein aus der Zibibbo-Traube, auch noch als Muscat d’Alexandrie bekannt. Die Spätlese Kabir, Jahrgang 2007 ist goldgelb von der Farbe, und überzeugt durch feine Säure, sowie durch dezente Ingwer- und Orangenschalen-Töne in der Nase. Würzige Süsse findet sich auch am Gaumen, welcher durch eine unvermutete Frische (auf Luxemburgisch: sauer Kamèllen) im Nachhall erstaunt. Dieser Wein zeigt sein optimales Potenzial, wenn er nicht zu kühl ist, und zu frisch geräuchertem Weissfisch gereicht wird.
Ben Ryé ist arabisch und heisst soviel wie „Sohn des Windes“. Und wer einmal an der Südküste Siziliens und auf den vorgelagerten Inseln verweilte, versteht warum der Passito di Pantelleria DOC diesen Namen trägt. Der 2006er hat 14,5° Alkohol, welche durch die ausgeprägte Komplexität dieses Dessertweines jedoch nicht stören.
Die Aromenpalette ist breit, in der Nase sind Noten von Quitten und Würzkräutern vorrangig, auch Nuancen von nassem Laub und Torf sind vorhanden. Das Finale ist beeindruckend, die intensiven Noten nach Marmelade und Honig halten sich minutenlang. Wer diesen typischen Wein Siziliens richtig geniessen will, sollte sich behaglich mit dem himmlischen Kind zum Meditieren zurückziehen. Einen solch beachtlichen Wein muss man nicht unbedingt mit anderen teilen.
Mehr über Donnafugata findet sich auf www.donnafugata.it. In Luxemburg werden diese Weine durch Vinissimo in Livange vermarktet. Weitere Einzelheiten unter www.vinissimo.lu