02.07.2009

Chianti Rùfina – so fruchtig-frisch kann Sangiovese sein. (1.Teil)

von Romain in Wine Travels

Auf internationaler Ebene ist Chianti der bekannteste Wein Italiens. Neben dem „Classico“ dessen südlicheres Anbaugebiet neuerdings einem eigenen Regel-Mechanismus unterliegt, besteht das toskanische Weingebiet aus sieben, geographisch ganz verschiedenen Unterzonen: die Colli Aretini, die Colli Fiorentini, die Colli Senesi, die Colline Pisane, sowie Montalbano, Montespertoli und Rùfina.


Letzteres ist mit einer aktuellen Anbaufläche von ungefähren 1300 Hektar das kleinste Chianti-Gebiet. Dafür ist die Gegend um das Val de Sieve aber sozusagen das Aushängeschild in puncto Wein – die älteste Weinstrasse der Toskana, die „Strada dei Vini Chianti Rùfina e Pomino“ verläuft durch diese hügelige, wenn nicht sogar gebirgige Landschaft zwischen dem Mugello und Florenz.

Diese Gegend war Ende Juni 2009 unser Reiseziel. Hier besuchten wir ein gutes Dutzend regional bekannter, und teilweise international renommierter Weingüter, deren beste Tropfen wir in den folgenden Zeilen beschreiben.

Ausgangsort des Verkostungs-Parcours war Pontassieve, ein beschauliches Städtchen am Zusammenfluss der Flüsse Sieve und Arno. Bereits hier ist der Arno, welcher 18 Kilometer weiter westlich viel zum pittoresken Ambiente von Firenze beiträgt, so breit wie die Luxemburger Mosel.

Überhaupt gibt es diverse Ähnlichkeiten im Vergleich zu unseren Weinen. Da könnte man beispielsweise die fast identische Rebfläche von 1300 Hektar im Ertrag stehender Weinberge nennen. Über dies und andere Details reden wir später, im dritten und letzten Teil der Reportage.

Nachfolgend unsere Verkostungsnotizen: (F = Farbe, N = Nase, G = Gaumen)

Fattoria I Veroni, Stadtteil Pianottello, Via Tifariti, 5 in I- 50065 Pontassieve. Homepage www.iveroni.it

1. Weisswein Bianco del Pianottolo 2008, Alkohol 12,5° - Cuvée aus 55% Malvasia Toscana, 40% Sauvignon Blanc, 5% Viognier. I.G.T. Bianco dei Colli della Toscana Centrale; Weinberg “Il Pianottolo”

F: hellgolden

N: angenehm fruchtig, Aprikosen

G: fruchtig-frisch, säurebetont mit leichtem Bitterton im Nachhall. Süffig.

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Der Vin Santo reift auch bei “I Veroni” traditionsgemäss unter dem Dach


2. Rotwein Terre del Pelacane 2007, Alkohol 13° - Cuvée aus 75% Sangiovese und 25% Merlot. I.G.T. Rosso dei Colli della Toscana Centrale ; Weinberg in S. Martino a Quona.

F: granatrot, leichte Brauntönung

N: würzig-süss, typische Merlot-Nuancen

G: gute Säure, etwas rauchig im Abgang. Kurz im Nachhall.

3. Rotwein Chianti Rùfina D.O.C.G. 2007, Alkohol 13,5° - Cuvée aus 90% Sangiovese, 10% Canaiolo Nero. Ein Jahr in 20 bis 25 Hekto-Fässern aus Slowenischer Eiche gereift. Weinberg in S. Martino a Quona.

F: granatrot

N: angenehm frisch, rote Früchte

G: eingebundene, doch bestechende Säure, rauchiges Aroma. Feine Tannine im Nachhall. Etwas Drops und bittere Note im Abgang, doch mit viel Frucht.

4. Rotwein Chianti Rùfina Riserva D.O.C.G. 2006, Alkohol 13,5° - Cuvée aus 90% Sangiovese, 10% Canaiolo Nero und andere Sorten. 18 Monate in 500 Liter-Barriques aus französischer Allier-Eiche, 50% neues Holz. Weinberg San Martino a Quona.

F: Granatrot mit sehr leichten bräunlichen Reflexen

N: Nach reifen Pflaumen und Kaffeebohnen, würzig

G: leicht in der Attacke, dann rauchige Aromen. Schönes Tanningerüst, gute Frische. Elegante, säurebetonte Variante eines Sangiovese.

5. Weisser Dessertwein Vin Santo del Chianti Rùfina 2000 D.O.C., Alkohol 16° - Cuvée aus 60% Malvasia Toscana, 30% Trebbiano, 10% Canaiolo und Sangiovese. 6 Jahre in Walnuss- und Eichengebinde von 100 Litern gelagert, danach auf der Flasche 14 Monate ausgereift.

F: Karamell- bis orange-farben

N: zuerst frisch, dann nach Dürrobst und Karamell

G: nach Karamell, dann harzige Aromenpalette und leicht astringierend im Abgang. Obwohl etwas ölig doch gute Säurestruktur und frisch in der Persistenz.

Tenuta Castello del Trebbio, Via Santa Brigida, 9 in I - 50060 Santa Brigida bei Pontassieve. Homepage www.trebbio.de/

1. Weisswein Bianco della Congiura 2007, I.G.T. Toscana, Alkohol 13° - Cuvée aus 60% Riesling, 20% Pinot Gris (Grauburgunder), 20% Incrocio Manzoni.

Stammt von Reben im zweiten Ertragsjahr, der Wein wird in Stahltanks ausgebaut.

F: hellgold

N: vollfruchtig bereits in der Attacke, würzig, etwas Weihrauchnoten und Acacia-Blüte

G: leicht und fruchtig, Aromen von Grapefruit. Gute Säurestruktur, etwas Rauchtöne im Abgang. Weisswein mit Potenzial.

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Einige hundert Jahre alt ist die Eingangstür zum Castello del Trebbio sicherlich


2. Rotwein Chianti D.O.C.G. Castello del Trebbio 2008, Alkohol 12,5° - Cuvée aus 90% Sangiovese, 10% Canaiolo Nero und Colorino.

F: rubinrot

N: fleischig, würzige Noten, etwas nach Holunderbeere

G: Leicht in der Attacke mit mittlerer Tanninstruktur, fleischig und lang im Nachhall.

3. Rotwein Chianti Rùfina Riserva D.O.C.G. „Lastricato“ 2004, Alkohol 13,5° - 100% Sangiovese. 36 Monate in Holz gereift, danach 12 Monate auf der Flasche gelagert.

F: Dunkles rubinrot

N: vielschichtig und vollfruchtig, nach schwarzen Waldbeeren und etwas rauchig

G: schöne Struktur, etwas rauchig mit feinem Tanningerüst. Noten von Kirschen und Mandeln. Im Nachhall säurebetont. Ein harmonischer Wein, ein klassischer Rùfina.

4. Rotwein Merlot 2006, I.G.T. Toscana, Alkohol 13,5° - 100% Merlot

F: dunkles violett

N: ausgereift fruchtig, erinnert an rote Johannisbeere, auch an Erdbeermarmelade.

G: süssliche Fruchtaromen, etwas Lakritz. Schöne Säure, doch Töne der Holzlagerung überwiegen. Etwas bitterer Finish, kurz im Nachhall. Es wäre interessant diesen Gastronomiewein in einem Jahr nochmals zu verkosten.

Fattoria Selvapiana, Bio-Weingut in I- 50068 Selvapiana bei Rùfina. Homepage www.selvapiana.it

1. Rotwein Chianti Rùfina D.O.C.G. “Selvapiana” 2007, Alkohol 13,5° - Cuvée aus 95% Sangiovese mit 5% Canaiolo, Colorino und Malvasia Nera. Von Weinbergen in Pelago und Pontassieve.

F: rubinrot-violett

N: sehr fruchtig, (reife Pflaume) und Nuancen von Weihrauch

G: schöne Säure in der Attacke, dann würzige Aromen von roten Beeren, sowie Anklänge von Veilchen. Optimaler Wein zu Pasta.

2. Rotwein Pomino D.O.C. „Petrognano“ 2007, Alkohol 14,0° - Cuvée aus 60% Sangiovese, 20% Cabernet Sauvignon, 20% Merlot. Dies ist eine Monopol-Lage der Familie Antinori. Der Pomino-Weinberg, wovon Selvapiana 6 Hektar inne hat, liegt auf 400 Metern in den Ausläufern des toskanisch-römischen Apeninnen-Gebirges.

F: dunkles violett

N: fruchtige Töne und rauchige Noten, feine Nuancen von Weihrauch.

G: fruchtig, eingebundene Tannine, rund und mit guter Balance. Jetzt optimal.

3. Rotwein „Fornace“ 2006, I.G.T. Toscana, Alkohol 13,5° - Cuvée aus 40% Merlot, 40% Cabernet Sauvignon, 20 % Sangiovese. 15 Monate in französischen Barriques gereift, 40% davon im neuen Holz.

F: Klares granatrot

N: angenehmes Bukett nach Barrique, nach Kräutern und Schokolade, Nuancen von Weihrauch

G: frisch-fruchtig nach roten Beeren, ausdrucksvoll mit leichten, rauchigen Tönen. Gute Balance, perfekter Wein zum Essen.

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Fattoria Selvapiana ist ein Bio-Weingut; der schöne alte Weinberg im Bild lässt darauf  schliessen…


4. Rotwein Chianti Rùfina Riserva D.O.C.G. “Bucerchiale” 2006, Alkohol 14,5° - 100% Sangiovese aus der Einzellage “Vigneto Bucerchiale”. 15 Monate in französischer Barrique gereift, nur 10% davon neues Holz. 75% dieses Weines wird in Barrique ausgebaut, der Rest in grossen Fässern.

F: glänzendes granatrot

N: beeindruckend-fruchtiges Bukett nach Schokolade, Minze und Weihrauch.

G: schöne Struktur, viel Frucht. Wein mit guter Balance und sehr langem Nachhall, leichte Aromen von Salbei im Nachklang.

5. Rotwein Chianti Rùfina Riserva D.O.C.G. “Bucerchiale” 1996, Alkohol 13,5° - 100% Sangiovese aus der Einzellage “Vigneto Bucerchiale”. 15 Monate in französischer Barrique gereift.

Der 13 Jahre alte Wein stammt aus einem kälteren Jahr, zeigt aber ein ähnliches Degustationsprofil wie der „Bucerchiale“ 2006. Von der Farbe her hat er eine etwas bräunlichere Tönung. Die Fruchtigkeit und Frische ist gut vorhanden, auch wenn interessante sekundäre und tertiäre Aromen wahrnehmbar sind.

Fazit: Alle verkosteten Selvapiana-Sangiovese zeigen in der Nase die dezenten Weihrauchtöne, und bestechen mit schöner Säure und feinem Tanningerüst.

Im zweiten Teil unserer Entdeckungsreise durch das Chianti Rùfina-Gebiet beleuchten wir die Weine von Fattoria di Grignano, Marchesi Gondi – Tenuta Bossi, Podere Il Pozzo, Azienda Agricola Frascole und Fattoria Il Lago.


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