Chianti Rùfina – so fruchtig-frisch kann Sangiovese sein. (3. & letzterTeil)
Im dritten und letzten Teil unserer aufschlussreichen Weintour durch das Chianti Rùfina-Gebiet, welche wir im Sommer 2009 machten, beleuchten wir die Weine von Fattoria Lavacchio, Azienda Agricola Travignoli, Castello di Nipozzano – Marchesi Frescobaldi, Casa Vinicola Dreolino und von der Azienda Agricola Colognole.
Fattoria Lavacchio ist ein Biobetrieb mit 21 Hektar Weinbergen, 35 Hektar Olivenhainen, sowie einem Agroturismo in aussergewöhnlicher Lage, auf einem Berggrat im Hügelland von Pontassieve. Bis zu 60 Gäste können hier nicht nur die exzellente Küche, sondern auch eine aussergewöhnliche Sicht auf die rollenden Hügel des Umlands geniessen.

Der überwältigende Blick von der Terrasse des Agriturismo von Lavacchio.
Die aus Ligurien stammenden Besitzer kauften das Gut 1978, und seit der Jahrtausendwende ist auch Tochter Faye aktiv am Geschehen vor Ort
involviert. Wir hatten das Vergnügen, fünf Bio-Weine zum Lunch im Restaurant des Hauses zu verkosten. Die Atmosphäre war entspannt, die BIO-Weine durchaus interessant.
1. Weisswein „Pachàr“ 2007, I.G.T. Toskana, Alkohol 14,5° - Cuvée aus 70% Chardonnay, 20% Viognier und 10% Sauvignon Blanc.
F: hellgold mit grünlichen Reflexen.
N: fruchtig-vegetal, Anklänge von Ananas-Confit.
G: fruchtige Aromen, schöne Balance, hoher Alkoholgehalt ist gut eingebunden, im Nachhall frisch.
2. Roséwein „Albeggio“ 2008, I.G.T. Toskana, Alkohol 12,5° - 100% Syrah, wurde zu Wildschwein-Pappardelle serviert.
F: kräftiges Altrosa.
N: nach kleinen roten Beeren.
G: sehr fruchtig, mit ausgeprägter Säure, im Nachhall schön frisch.
(das Resultat einer angemessenen Cryo-Kühlung in der Presse)
3. Chianti Rùfina D.O.C. „Cedro“ 2006, Alkohol 13,5° - 90% Sangiovese, 10% Canaiolo Nero. Von diesem Wein wurden 60000 Flaschen produziert.
F: dunkles rubinrot.
N: fruchtig und mit rustikalem Bukett.
G: ausgeprägte Aromen, etwas süsslich und mit eher leichtem Tanningerüst.
4. Chianti Rùfina Riserva D.O.C. „Cedro“ 2006, Alkohol 13,5° - 90% Sangiovese vom ältesten Weinberg (1963) der Domäne, plus 10% Merlot. Ertrag 4 Tonnen pro Hektar.
F: sehr dunkles rot, fast schon schwarz.
N: fruchtiges Aromenbukett mit komplexen Noten.
G: runde Tannine, Nuancen von Schokolade.
5. Gewürztraminer „Oro del Cerdo“ 2007, Late Harvest; Alkohol 13°, Saft bei niedriger Temperatur schonend vergärt.
F: sehr helles gelb, mit grünlichen Reflexen.
N: fruchtig-filigran, nach Limonen und grünen Melonen.
G: keine typischen Gewürztraminer-Noten, dafür aber etwas rauchig, und an Honigmelone erinnernd. Sehr lang im Nachhall.
Die Azienda Agricola Travignoli ist das Weingut im Chianti Rùfina-Gebiet, welches im Moment (Jahr 2009) den Präsidenten des gleichnamigen Weinkonsortiums – Conte Giovanni Busi – stellt, war unsere zweite Etappe.

Die Weinpalette der Azienda Agricola Travignoli.
1. Weisswein „Gavignano“ 2008, Alkohol 13,5° Assemblage aus 90% Chardonnay und 10% Sauvignon Blanc. Toscana IGT.
F: altgold, schön glänzend.
N: sehr frische, feine Frucht. Der Unterton erinnert an Weihrauch.
G: leicht rauchiges Bukett mit Anklängen von Aprikosen und nassem Laub.
2. Chianti Rùfina D.O.C. 2007, Alkohol 13, 5° - 100% Sangiovese.
F: rubinrot.
N: ausgereift fruchtig, etwas fleischig mit Anklängen von roten Beeren.
G: warme, süssliche Aromenfülle, gutes Tanningerüst und feine Säure, im Abgang leicht würzig. Erinnert an Gelee von roter Johannisbeere.
3. Chianti Rùfina Riserva D.O.C. 2005, Alkohol 13° - 100% Sangiovese.
F: Rubinrot
N: vielschichtiges, würziges Bukett, Anklänge an Kirschen und schwarze Schokolade.
G: ausgeprägte Tannine, mit jedoch guter Balance. Dezent bittere, saftige Nuancen von Schlehenmus (compote de prunelles)
4. Chianti Rùfina Riserva D.O.C. 2006, Alkohol 13°, 96% Sangiovese, 2% Merlot, 2% Cabernet Sauvignon. 80% des Weins wurde in grossen Fässern ausgebaut, 20% wurde 18 Monate in neuen Barriques gelagert.
F: rubinrot mit violetten Nuancen.
N: fruchtig und leicht floral. Anklänge von Kirschen und Bitter-Schokolade.
G: gute Struktur, fruchtiges Aroma, lang im Nachhall.
5. Tegolaia 2004, Rosso di Colli della Toscana Centrale, Sangiovese 70%, Cabernet Sauvignon 30%, Alkohol 13.5°
F: granatrot.
N: ein vielschichtiges Bukett von Brombeere, blondem Tabak und etwas grüner Mandel.
G: geschliffene Tannine, Anklänge an sehr reife Pflaumen. Gute Säurestruktur, der ausgereifteste Wein bisher.
6. Calice del Conte 2003, Cuvée aus 70% Merlot und 30% Cabernet Sauvignon. IGT Colli della Toscana Centrale, Alkohol 13,5°.
F: rubinrot, dunkel.
N: ausgeprägt rustikale Noten, Bukett von schwarzen Waldfrüchten und Sous-Bois.
G: süssliche Aromenpalette (Merlot!) und runde Tanninstruktur (auch Merlot), sowie Akzente von Schlehen. Lang im Nachhall.
7. Vin Santo 2000, Riserva, DOC Vin Santo del Chianti Rùfina. 40% Trebbiano und 60% Malvasia.
F: glänzendes Altgold.
N: Bukett von überreifen Früchten, Ananas und Quittengelee, leichte Honigtöne.
G: viel Frucht (Quitte), etwas nussig in der Mitte, auch Raucharomen gut vernehmbar. Schöne Balance, mit sehr leichtem Bitterton im Nachhall.
Von Travignoli ging die Fahrt weiter, zu einem der grössten Weingüter im Rùfina-Gebiet. Castello di Nippozzano ist eine Florentiner Festung, erbaut um das Jahr 1000. Dies ist sozusagen das Prunkstück unter den Weingütern der Familie Frescobaldi. Geologisch ist hier auch die Grenze zwischen den Sandstein-Böden des Mugello und den Mergel-Böden – den Macigno del Chianti, gelegen.
1. Pomino Bianco 2008, IGT Toscana, Chardonnay 90% und 10% Pinot Blanc, 6 Monate Stahltank, 2 Monate Flaschenreife, Alkohol 12,5°.
F: hellgold.
N: kristallin und sehr frisch. Bukett von Kräutern und Grapefruit.
G: frischfruchtig und harmonisch, leichte Struktur, Noten von Agrumen. Cremig im Abgang.
2. Benefizio, Pomino Bianco Riserva 2007, 100% Chardonnay, 13, 5° Alkohol. Parzellenwein, Reben auf 750 Meter ü.M.
F: goldgelb.
N: extrem nach Vanille, sowie Untertönen der Barrique-Lagerung. Dann rauchig, mit opulentem Bukett nach frischer Butter.
G: Breit und opulent, etwas bitter im leicht brandigen Nachhall. Ein Essensbegleiter, sicherlich.
3. Benefizio Rosso 2007, Pomino Rosso, Assemblage aus Sangiovese und Pinot Noir. Alkohol 13, 7°.
F: hellviolett.
N: sehr ausdrucksvoll, erinnert an Mon-Chérie-Praline. Kirsche und Milchschokolade.
G: säurebetont und frisch. Leicht astringent und etwas eckig, da zu jung.
4. Nippozano Chianti Rùfina Riserva 2006, 85% Sangiovese, der Rest besteht aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot.
F: rubinrot
N: fruchtig, aber verhalten. Anklänge an Kirsche und rote Johannisbeeren.
G: gute Säure, gepaart mit süsslicher Aromenpalette. Angenehme Tannine, im mittel-langen Nachhall harmonisch.
5. Montesodi 2006, Chianti Rùfina Riserva, 100% Sangiovese, Alkohol 13,5°. Stammt aus der höchstgelegenen Chianti-Pazelle des Weinguts (400 Meter ü.M.)
F: granatrot, fast schwarz.
N: Bukett von Cassis-Blättern, Kakao und schwarze Johannisbeere.
G: gute Säurestruktur, fruchtig-warme Aromenpalette, süsslich in der Mitte, trocken im langen Nachhall.
6. Mormoreto 2006, Toscana IGT, 60% Sangiovese, 25%Cabernet Sauvignon, 10% Merlot, 5% Cabernet Franc und Petit Verdot. 24 Monate in neuer Barrique ausgereift.
F: schwarzes Granat mit bräunlichen Akzenten.
N: eine enorme Palette von schwarzen Früchten, würziger Schokolade und Bitter-Kakao.
G: opulente Fülle, ausdrucksstarke Frucht mit Nuancen von Bitterschokolode. Leichte Paprika-Noten im Abgang. Der Nachhall ist lang.
Casa Dreolino ist ein Weingut mit Hauptsitz in Rùfina-Stadt. 1939 gegründet, wird die Domäne bereits in der dritten Generation von ein und derselben Familie geleitet. Die USA sind ein bedeutender Markt für dieses Weingut.
1. Raffaello 2008, Bianco Toscano IGT, Trebbiano 50% und Chardonnay 50%, Alkohol 11,5°
F: altgolden.
N: dezente Fruchtigkeit, hat Akzente von Weihrauch im frischen, seidigen Bukett.
G: fruchtig-frisch, Aromatik von gelbem Steinobst gut vernehmbar.
2. Chianti Rùfina 2007 DOCG, 90% Sangiovese und 10% Colorino, Alkohol 12,5°
F: dunkles Violett.
N: fruchtig, doch im Moment noch verhalten.
G: sehr süssliche Aromen, und etwas würzig im eigentlich ziemlich kurzen Nachhall.
3. Chianti Rùfina Riserva 2004, DOCG. 90% Sangiovese und 10% Colorino, Alkohol 13°.
F: rubinrot mit leicht bräunlichem Rand.
N: zeigt marmeladiges Bukett, erinnert an rote Waldfrüchte. Auch rote Johannisbeere und Pflaume.
G: obwohl etwas leichtere Spielart, zeigt dieser Wein eine gute Struktur, viel Frucht und eingebundene Tannine.
4. Vin Santo del Chianti DOC 2003, 50% Trebbiano und 50% Malvasia, Alkohol 16°.
F: strohgelb.
N: Bukett nach kandierten Früchten, hauptsächlich nach Quitten.
G: erinnert auch am Gaumen an kandierte Quitte, leichte Anklänge an Agrumen. Wein ist jedoch alkoholbetont und etwas brandig im Nachhall.
Azienda Agricole Colognole
Colognole heisst das Weingut, welches wir zum Abschluss unserer
Studienreise durch das Gebiet des Chianti Rùfina besuchten. Im Besitz einer der bekanntesten Familien der Region, besteht nur ein geringer Teil des 700 Hektar umfassenden Familienbetriebs aus Weinbergen. (27 Hektar)
Azienda Agricole Colognole ist in der Umstellungsphase was den modernen Weinanbau betrifft. Im Moment sind 2 ha Chardonnay in einer aussergewöhnlich hohen Lage – auf 700 Meter ü. M. – neu angepflanzt worden. Einerseits gibt es auf Colognole lehmhaltige Böden mit viel Gestein, andererseits auch die typischen Galestro-Böden des Chianti. Die Weine bestechen durch frische Mineralität und extreme Langlebigkeit.
Cesare Coda-Nunziante während der Verkostung des 1967er Chianti Poggio Reale.
1. Weisswein „Quattro Chiacchiere“ 2004, I.G.T. Bianco di Toscana
F: glänzendes goldgelb.
N: sehr ausgeprägt, nach exotischen Früchten, Honigmelone und Ananas.
G: Wein mit guter Struktur, schöner Säure und feiner Mineralität. Im Nachhall angenehm frisch.
2. Weisswein „Quattro Chiacchiere“ 2003, I.G.T. Bianco di Toscana
F: warmes amberfarben.
N: frische, buttrige Noten mit Anklängen von Rumtopf und Aprikosen.
G: mineralisch in der Attacke, fruchtig, jedoch überwiegt die alkoholische Note im Nachhall (bedingt durch den heissen Jahrgang)
3. Rotwein Colognole 2005, Chianti Rùfina D.O.C. Cuvée aus 95% Sangiovese und 5% Colorino
F: granatrot.
N: rauchig und animalisch, Anklänge von Kaffeebohnen und Röstaromen,
G: süssliche Aromen in der Attacke, Anklänge von trockener Mandel und Kräutern, gute Struktur mit eingebundener Säure, Nachhall angenehm.
4. Rotwein Colognole 2006, Chianti Rùfina D.O.C. Cuvée aus 90% Sangiovese und 10% Colorino.
F: glänzendes Granatrot.
N: würzig-fruchtig, etwas rote Paprika, betont animalische Note.
G: fruchtige, eingebundene Tannine, erinnert an Kirschen und Bittermandel, etwas Tannin betont im Abgang.
5. Rotwein Colognole 2004, Chianti Rùfina Riserva D.O.C. Stammt von alten Reben, 50% wurde in Barrique, 50% im grossen Fass ausgebaut.
F: granatrot, leicht bräunliche Umrandung.
N: sehr fruchtig, Noten von Mandel und Marzipan, mineralischer Unterton. Komplex, nach kleinen, roten Beeren.
G: süssliche Aromenvielfalt, Noten von Tabak und reife Schlehenfrucht. Gute Balance, feine Säure. Im Abgang dezenter Bitterton. Ein optimaler, typischer Chianti Rùfina mit komplexer Mineralität.
6. Rotwein Colognole 2006, Chianti Rùfina Riserva D.O.C. Dieser Wein stammt nur aus neuen Weingärten.
F: Granatrot mit violettem Anflug.
N: komplexe Kaffee- und Röstaromen, Anklänge an Leder und Sous-Bois.
G: trotz vielschichtigem Aroma und schönem Tiefgang (Kaffee und Schoko-Noten) ein sehr junger Wein. Konzentrierte, süssliche Aromen und kräuterige Schlehennote im Abgang. Etwas verhalten. Sehr hohes Potenzial.
7. Rotwein Colognole-Spalletti, Chianti Poggio Reale 1967, eine absolute Rarität!!! Zu dieser Zeit wurden nur Riserva-Weine bei Spalletti hergestellt, und auch der Zusatzname Rùfina wurde damals für den Chianti nicht extra verwendet.
F: dunkles Amberfarben, klarer Spiegel.
N: schöne, klare Präsenz, etwas rauchig mit Noten von frischem Pflaumenmus, etwas gebrannter Mandel und warmen Gewürzen (Zimt; canelle)
G: aussergewöhnliche Frische, Aromen von in Alkohol eingelegtem Obst. Im Nachhall überwiegt die geschmeidige, eingebundene Säure. Tertiäre Aromen sehr dezent wahrnehmbar, ein Wein mit schöner Frucht, der irgendwie immer noch jugendlich wirkt.
Fazit: Im Gegensatz zu anderen Chianti haben wir festgestellt, das fast alle verkosteten Chianti oder Chianti Riserva aus dem Gebiet Rùfina eine animierende, frischere Fruchtigkeit an den Tag legen, welche durch die höheren Säurewerte bedingt ist.
Dies erklärt schlussendlich, warum diese Weine durch die Verbindung ausgeprägter Tannine mit ansprechenden Säure-Werten oft ein extrem hohes Alterungspotenzial haben. Etliche Chianti Rùfina Riserva können Jahrzehnte altern, ohne nennenswerte Ermüdungserscheinungen aufzuweisen.