Die Sache mit dem Wasser – Ein Kommentar von Wilfried Moselt.
Es gilt ein Gräuel anzusprechen, das erschreckende Ausmaße angenommen hat. Und ein Ende der Wasser-Fahnenstange ist wohl nicht in Sicht. Da wird draufgesattelt, dass der Gast seine Fassung zu verlieren droht, wenn er das Angebot der Weinstuben und Restaurants durchblättert und sich bei ihm regelmäßig eine gewisse Verkrampfung im Magenbereich einstellt, sobald er auf die Rubrik „Wasser“ stößt.
Ja, liebe Leute! Ist die Gastronomie denn mittlerweile von allen guten Geistern verlassen?
Die Flasche Wasser, die für ein paar Cent eingekauft wird, bricht im Verkauf alle Umsatzrekorde. Waren bislang 2,90 Euro schon recht stramm für das von einem Weinfreund in aller Regel notwendig zum Wein als Begleiter zu konsumierende Wasser, so ist die Schamgrenze der Preisgestalter in den mehr oder weniger schlichten Weinstuben und den gelegentlich anspruchsvoll daherkommenden Gourmettempeln nun endlich zur Gänze aufgehoben.

Nicht selten Gewinnspannen von 1000 Prozent
Wenn etwa der beliebte Italiener an der Ecke, der sein zweifellos schmackhaftes Spaghetti-Gericht für 10,50 Euro anpreist und zugleich 4,80 Euro für eine Flasche Mineralwasser verlangt, dann ist hier die Welt nicht mehr in Ordnung. Der im Fernsehen allgegenwärtige Meisterkoch Johann Lafer nimmt in seinem Feinschmecker-Palais in Stromberg gar annähernd 8 Euro – das wären in guten alten DM-Zeiten fast 16 Mark für eine Flasche Wasser – und wird sich deshalb bestimmt nicht genieren.
Das Gerede von Galionsfiguren des Hotel- und Gaststättengewerbes von einer sogenannten Gesamt- oder Mischkalkulation, die den exorbitanten Wasserpreis rechtfertigen soll, ist, gelinde gesagt, kaum zu ertragen. Horrende Gewinnspannen von tausend bis zweitausend Prozent sind nicht nur ein Ärgernis für den Verbraucher, sondern verwerflich und geradezu unanständig.
Die Welt regt sich über die unersättlichen Mineralölkonzerne auf, die uns das Leben mit den ausufernden Sprit- und Heizölpreisen nicht erleichtern. Raffgier aber ist überall eine unerfreuliche Erscheinung. Auch in der Gastronomie.
